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Wenn die Seele Hilfe braucht


...sind die Mitarbeiter der Notfallbegleitung erste Ansprechpartner, und das seit zehn Jahren
Sie sind da, wenn „Not am Mann" ist, wenn die Seele Erste Hilfe braucht, wenn schlimme Ereignisse Menschen zu traumatisieren drohen: die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Notfallseelsorge und Notfallbegleitung im Kreis Paderborn e.V. Seit zehn Jahren kümmern sich die Aktiven rund um die Uhr, an jedem Tag des Jahres um Menschen in Notfallsituationen. Der runde Geburtstag war jetzt Grund für einen ökumenischen Dankgottesdienst und eine Feierstunde in Bad Wünnenberg.

Und für einen Rückblick des Vereinsvorsitzenden, des Lichtenauer Pastors Heinrich Friesen, der unter den zahlreichen Gästen ganz besonders den Landrat des Kreises Paderborn Manfred Müller, Kreis-brandmeister Bernhard Lücke als Gründungsmitglied und Ulrich Hilkenbach als Leiter der Kreisfeuerwehrzentrale in Ahden begrüßte. Sein Blick in die Vergangenheit beschäftigte sich mit der frühen Zeit der Gründung der Notfallseelsorge im Kreis Paderborn. Priester und Pastöre der verschiedenen Konfessionen waren bei einem dringlichen Notfallgeschehen oftmals nicht zu erreichen, so dass sie auch immer seltener angefordert wurden. Gleichzeitig aber erlebten Notärzte und Rettungsassistenten einen dringenden Bedarf an psychologischer Seelsorge in akuten Krisen und Notsituationen. Um einen sicheren Einsatz zu jeder Tages und Nachtzeit garantieren zu können, wurde die Notfallseelsorge ins Leben gerufen. Auf der Gründungsversammlung der NFS für den Kreis Paderborn am 21. November 2000 wurde überlegt, wie man diese „Erste Hilfe für die Seele" auch für das hiesige Kreisgebiet sicherstellen könnte.

Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wuchs die Gruppe kontinuierlich. Anfang 2003 meldeten sich nach einem Bericht über die NFS in den örtlichen Medien 28 Interessenten. Die Auswahlgespräche und die Ausbildung zogen sich über das ganze Jahr 2003 hin. Seit Anfang des Jahres 2005 ist diese Gruppe eingetragener Verein „Notfallseelsorge und Notfallbegleitung im Kreis Paderborn e.V." mit zurzeit 21 Mitgliedern, davon 10 Aktive in dauernder Rufbereitschaft.

Landrat Manfred Müller als Schirmherr des Vereins zeigte anhand vieler Beispiele, wie bedeutsam die Anwesenheit von Helfern in menschlichen Schockphasen ist, wie viel Trost und Hilfe sie Menschen geben können, die traumatischen Ereignissen ausgesetzt sind oder unter akuten Belastungsreaktionen leiden. Sein Dank galt allen Mitarbeitern der NFS, die Tag und Nacht bereit sind, um Beistand zu leisten, Trost zu spenden, Angst abzubauen und zu entlasten, zu begleiten und zu stabilisieren; die oftmals auch Kontakte herstellen zu Beratungsstellen oder Bezugspersonen.

Interesse an Mitarbeit?
Wer Interesse an der Arbeit der Notfallseelsorge hat und evtl. mitarbeiten möchte, kann Kontakt zum Vorsitzenden des Vereins, Pastor Heinrich Friesen aufnehmen. Tel. 0 52 95 - 18 47. Weitere Informationen: www.nfs-kpb.de

 

Bericht in der "Neue Regionale" vom 28.10.2010

Erste Hilfe für die Seele

Seit sieben Jahren engagiert sich Anita Papenheinrich im Verein »Notfallbegleitung und Notfallseelsorge im Kreis Paderborn«. Dienstag wurde sie zum Schulhof der St.-Marien-Grundschule gerufen. Foto: Oblau

Anita Papenheinrich betreut ehrenamtlich Menschen in Notfallsituationen - auch am Dienstag in Delbrück

 

Ostenland (WV). »Es wird alles wieder gut.« Nein, so ein Satz darf Notfallbegleiterin Anita Papenheinrich nie über die Lippen kommen, wenn sie im Einsatz ist. »Denn es wird nichts wieder gut. Das ganze Leben wird anders nach einem Todesfall«, sagt sie. Am Dienstag wurde die Ostenländerin nach dem tödlichen Unfall nach Delbrück gerufen.Seit sieben Jahren engagiert sich Anita Papenheinrich im Verein »Notfallbegleitung und Notfallseelsorge im Kreis Paderborn«. Dienstag wurde sie zum Schulhof der St.-Marien-Grundschule gerufen.
»Ich war zum Einkaufen unterwegs, als ich den Rettungshubschrauber sah. Kurz darauf klingelte mein Handy«, erinnert sie sich. Seit sieben Jahren arbeitet die 43-Jährige ehrenamtlich für den Verein »Notfallbegleitung und Notfallseelsorge im Kreis Paderborn«. Nicht nur bei tödlichen Unfällen ist die Hilfe der Notfallbegleiter gefragt. »Wir begleiten die Polizei auch beim Überbringen von Todesnachrichten oder helfen Betroffenen bei anderen Todesfällen, zum Beispiel, wenn ein Baby an plötzlichem Kindstod stirbt«, berichtet sie.
Durch persönliche Erfahrungen kam die Ostenländerin dazu, selbst als Notfallbegleiterin arbeiten zu wollen. Sie bildete sich fort, in Bereichen wie Gesprächsführung, Umgang mit traumatisierten Menschen oder Zusammenarbeit mit dem Rettungsdienst. Doch wirklich vorbereiten kann man sich nicht auf das, was in der Praxis wartet. »Wenn das Handy geht und ich gerufen werde, dann ist das für mich eine Fahrt ins Ungewisse. Die Polizei oder Feuerwehr informieren mich zwar, wo ich hinkommen soll und was passiert ist - aber wie die Menschen reagieren, auf die ich treffe, das sehe ich erst vor Ort. Mal schreien sie vor Trauer und Verzweiflung, mal schweigen sie eine halbe Stunde.« Zweimal musste sie bereits erleben, dass sie zu Menschen gerufen wurde, die ihrem Freundeskreis angehören.
Insgesamt sind zwölf ehrenamtliche Helfer für den Verein aktiv. Es gibt einen Dienstplan, der der Feuerwehrleitstelle in Ahden vorliegt. Wenn Anita Papenheinrich gerufen wird, dann hat sie immer ihre Notfalltasche dabei. »Darin sind jede Menge Straßenkarten, außerdem ein Gebetsbuch und eine Kerze, Kuscheltiere und Gummibärchen, um Kinder beruhigen zu können. Manche Kollegen haben auch Zigaretten dabei«, sagt sie.
Das Unglück am Dienstag hat sie erschüttert. »Aber jedes Unglück ist schrecklich, ich kann das nicht einstufen in schlimme und weniger schlimme Unglücke. Für die Betroffenen ist es immer furchtbar.« Bis kurz vor Mitternacht war sie am Dienstag auf dem Schulhof an der Leipziger Straße, Mittwoch unterstützte sie die Krisenteams an der Realschule.
»Wichtig ist es, Vertrauen zu den Menschen aufzubauen, die unsere Hilfe brauchen. Ich erzähle nicht viel, ich bin da. Aber wenn ich etwas sage, dann müssen diese Worte bedacht gewählt sein, meine ersten Worte wird sich der Betroffene wahrscheinlich sein ganzes Leben lang merken«, weiß sie. Daher sind Phrasen und Worthülsen tabu. Auch für Sandra K.s Familie und Freunde wird nichts wieder gut. Es wird anders. Nach der ersten Hilfe für die Seele, wie Anita Papenheinrich ihre Arbeit beschreibt, müssen viele Betroffene oft jahrelang verarbeiten, was sie erleben mussten. »Das geht meist nur mit Hilfe von hauptberuflichen Experten. Wir sind im ersten Moment da und vermitteln weitere Hilfe. Mehr nicht.« Und doch ist das für viele schon eine ganze, ganze Menge.

 

von Meike Oblau

 

WESTFALEN-BLATT, Freitag,  22.Juli 2011

Erst einmal zuhören

Eine typische Begleitungssituation: nach einem Unfall ist eine Betroffenen völlig verzweifelt. Auch wenn die Möglichkeiten eines Notfallseelsorgers begrenzt sind, so kann sie/er doch zumindest zuhören und schon dadurch Trost spenden

KREIS SOEST

Einen Satz in der Pressemitteilung über die Feiern zum zehnjährigen Bestehen des Vereins Notfallseelsorge und Notfallbegleitung im Kreis Paderborn am Samstag in Bad Wünnenberg könnte man falsch deuten. Die Gruppe sei „sehr an Nachwuchs interessiert", heißt es. Daraus ließe sich schlussfolgern: Es mangelt womöglich nicht nur in unserem Nachbarkreis an Zeitgenossen, die sich dieser schweren Aufgabe ehrenamtlich stellen wollen. Dem sei allerdings mitnichten so, versichert Heike Gösmann, die bei der Feuerwehr Lippstadt als Fachberaterin Psychosoziale Unterstützung (PSU) und Notfallseelsorge ehrenamtlich tätig ist.

Zwar macht sich etwa der Priestermangel insofern bemerkbar, als es im Notfallteam im Altkreis Lippstadt inklusive Warstein nur noch einen in der Notfallseelsorge aktiven Pfarrer gibt. „Ansonsten haben wir aber keine Nachwuchsprobleme", versichert die Lippstädterin

Zu ihrem letzten größeren Einsatz wurde Heike Gösmann am Dienstag vergangener Woche gerufen. Bei einem Verkehrsunfall auf der Bundesstraße 1 zwischen Erwitte und Eikeloh waren zwei Menschen ums Leben gekommen, ein drittes Unfallopfer erlag später seinen Verletzungen. Zusammen mit drei ehrenamtlichen Kollegen war die Notfallseelsorgerin der Feuerwehr Lippstadt vor Ort, um den Menschen beizustehen, die sich durch das tragische Unglück plötzlich in einer psychischen Ausnahmesituation befanden.

Es sind allerdings nicht Einsätze dieser Art, die den Alltag der Notfallseelsorger prägen, sagt Heike Gösmann. „In 90 Prozent der Fälle ist unsere Hilfe im häuslichen Bereich nötig. Menschen drohen den Boden unter den Füßen zu verlieren, wenn plötzlich ihr Kind oder Partner stirbt." Zu den  Aufgaben gehört es auch, gemeinsam mit der Polizei den Angehörigen etwa nach einem Unfall die Nachricht vom Tod eines Menschen zu überbringen. Viel tun können und wollen die Notfallseelsorger in der akuten Phase nicht. „Wir sind da, um zuzuhören oder, im übertragenen Sinne, unsere Schulter anzubieten." So gilt es in erster Linie, die Betroffenen zu stabilisieren, ihnen Orientierung zu geben.

Ob Notfallseelsorger bei einem Verkehrsunfall gerufen werden, entscheiden die Rettungskräfte. Im Altkreis Lippstadt stehen in zwei Schichten ehrenamtliche Helfer bereit - an 365 Tagen im Jahr. Die Ausbildung dauert acht Monate. Ihr schließt sich ein einjähriges Praktikum an. Dank medialer Unterstützung gelang es 2009 in Lippstadt einen neuen Ausbildungskurs auf die Beine zu stellen. Wenn auch nicht alle Teilnehmer durchhielten, durfte sich das Team dennoch über Verstärkung freuen.

Seit August 2010 sind die Notfallseelsorger-Teams in den Altkreisen Lippstadt und Soest dabei, sich noch besser zu vernetzen, um zum Beispiel gemeinsame Aus- und Fortbildungsmaßnahmen zu organisieren. Eine Unterteilung der Einsatzgebiete des Kreises Soest in „Ost" und „West" bleibe aber nach wie vor sinnvoll, meint Heike Gösmann. Bis ein Notfallseelsorger aus Lippstadt, der zu einem Unfall in Welver gerufen wird, ankomme, vergehe einfach zu viel Zeit.

Bei der Feierstunde in Bad Wünnenberg sprach der Paderborner Landrat Müller dem Team im Kreis Paderborn am Samstag seinen „tief empfundenen Dank" für zehn Jahre Engagement aus. An der Feier nahmen auch Vertreter der Notfallseelsorge Lippstadt/Soest-Ost teil. Dienst am Nächsten kennt eben keine Kreisgrenzen. Das gilt ebenso für überörtliche Einsätze der Notfallseelsorger.

Bericht im PATRIOT, erschienen am 25.11.2010

Jubiläum, 10-jähriges Bestehen

Jubiläumsfeier der Notfallseelsorge und Notfallbegleitung im Kreis Paderborn e.V. am 20. November 2010

 

Mit einem ökumenischen Dankgottesdienst in der Immanuel-Kirche in Bad Wünnenberg begannen die Feierlichkeiten zum zehnten Jahrestag der Gründung der Notfallseelsorge und Notfallbegleitung im Kreis Paderborn e.V.  Musikalisch begleitet wurde der Gottesdienst durch Vicky Preus und ihre Band.

Anschließend begrüßte der 1. Vorsitzende, Heinrich Friesen, die zahlreichen Gäste, u. a. den Landrat des Kreises Paderborn Manfred Müller, den Kreisbrandmeister Bernhard Lücke als Gründungsmitglied, den Leiter der Kreisfeuerwehrstelle Ahden, Ulrich Hilkenbach, die Vertreter der Notfallseelsorgeorganisationen aus Nachbargebieten und andere Gäste.

Sein Blick in die Vergangenheit beschäftigte sich mit der frühen Zeit der Gründung der Notfallseelsorge im Kreis Paderborn. Priester und Pastöre der verschiedenen Konfessionen waren bei einem dringlichen Notfallgeschehen oftmals nicht zu erreichen, so dass sie auch immer seltener angefordert wurden. Gleichzeitig aber erlebten Notärzte und Rettungsassistenten einen dringenden Bedarf an psychologischer Seelsorge in akuten Krisen- und Notsituationen. Um einen sicheren Einsatz  zu jeder Tages- und Nachtzeit garantieren zu können, wurde die Notfallseelsorge ins Leben gerufen. Auf der Gründungsversammlung der NFS für den Kreis Paderborn am 21. November 2000 wurde überlegt, wie man diese „Erste Hilfe für die Seele“ auch für das hiesige Kreisgebiet sicherstellen könnte.Trotz anfänglicher Schwierigkeiten wuchs die Gruppe kontinuierlich. Anfang 2003 meldeten sich nach einem Bericht über die NFS in den örtlichen Medien 28 Interessenten. Die Auswahlgespräche und die Ausbildung zogen sich über das ganze Jahr 2003 hin.

Seit Anfang des Jahres 2005 ist diese Gruppe eingetragener Verein „Notfallseelsorge und Notfallbegleitung im Kreis Paderborn e.V.“ mit zurzeit 21 Mitgliedern, davon 10 Aktive in dauernder Rufbereitschaft. Landrat Manfred Müller übernahm die Schirmherrschaft.

Zum Schluss seines Rückblicks aus 10 Jahre erfolgreiche Arbeit im Dienste am Mitmenschen lobte H. Friesen das außerordentlich gute Klima der Gruppe, den Teamgeist und die gegenseitige Hilfsbereitschaft. Er brachte seine Überzeugung zum Ausdruck, dass der Verein Notfallseelsorge und Notfallbegleitung zurzeit gut aufgestellt ist und den Anforderungen ihrer Aufgaben voll entspricht.

Nach diesen Ausführungen ergriff Landrat M. Müller als Schirmherr des Vereins das Wort. Er sprach den Mitgliedern seinen tief empfundenen Dank für ihre Arbeit aus. Ausgehend von persönlicher Erfahrung brachte er zum Ausdruck, wie ungeheuer wichtig der Dienst am Menschen in Not sein kann. In vielen Beispielen zeigte er, wie bedeutsam die Anwesenheit von Helfern in menschlichen Schockphasen ist, wie viel Trost und Hilfe sie Menschen geben können, die traumatischen Ereignissen ausgesetzt sind oder unter akuten Belastungsreaktionen leiden. Sein Dank galt allen Mitarbeitern der NFS, die Tag und Nacht bereit sind, da zu sein für andere, Beistand zu leisten, Trost zu spenden, Angst abzubauen und zu entlasten, zu begleiten und zu stabilisieren, zuzuhören und Rat zu geben; die oftmals auch Kontakte herstellen zu Beratungsstellen oder Bezugspersonen.

Auch der Kreisbrandmeister B. Lücke und der Leiter der Kreisfeuerwehrzentrale in Ahden U. Hilkenbach sprachen ihren großen Dank aus für eine bewundernswerte 24-stündige Rufbereitschaft Tag und Nacht.

Zum Abschluss des gelungenen Jubiläumsfestes stand ein Imbiss und gemütliches Beisammensein auf dem Programm.

Wer Interesse an der Arbeit der Notfallseelsorge hat und evtl. mitarbeiten möchte, kann Kontakt zum Vorsitzenden des Vereins, H. Friesen aufnehmen. Tel. 05295 1847.

 

Bericht über unser Jubiläum für die Medien von Hermann Fromme

Im Notfall sofort an Ort und Stelle - Notfallseelsorge kreisweit aktiv

Kreis Paderborn (krpb). "Wie konnte das passieren? Warum nur?"; quälende Fragen, die fest eingebrannt im Gedächtnis immer wieder auftauchen. Eine Antwort finden die Betroffenen nicht.

 

Und auch sie haben keine Erklärung für den schlimmen Schicksalsschlag, den plötzlichen Todesfall oder den tragischen Verkehrsunfall. Doch die Notfallseelsorger und -begleiter können geben, was die Betroffenen am meisten brauchen wenn Verzweiflung, Verbitterung und Hilflosigkeit bleiben. Als erste Ansprechpartner begleiten sie die Betroffenen in den Stunden nach dem Unglück. Sie spenden Trost, leisten seelischen Beistand und versuchen Ängste zu nehmen, wenn das Leben aus den Fugen gerät.

 

Diese Hilfe leisten auch die Mitglieder des Vereins Notfallbegleitung und Notfallseelsorge im Kreis Paderborn wenn das Telefon klingelt und die Kreisleitstelle, die Polizei oder der Rettungsdienst zum Einsatz ruft. An 365 Tagen im Jahr sind sie rund um die Uhr rufbereit, denn ein Einsatz kann plötzlich, unerwartet und jederzeit eintreten.

 

Im Kreis Paderborn wurde die Notfallseelsorge vor sechs Jahren von hauptberuflichen Seelsorgern aller Konfessionen ins Leben gerufen. Im März 2005 entstand daraus der Verein "Notfallbegleitung und Notfallseelsorge des Kreises Paderborn e.V.", der derzeit 18 Mitglieder zählt.

 

Für das Gebiet der Stadt Paderborn engagiert sich seit Jahren die ökumenische Arbeitsgemeinschaft im Bereich der Notfallseelsorge. Jederzeit können auch hier die Notfallbegleiter von der Paderborner Feuerwehr in Anspruch genommen werden.

 

Während Polizei, Feuerwehr, Notarzt und Rettungssanitäter vor Ort die ersten lebensrettenden Maßnahmen durchführen und die weitere Versorgung der Opfer sichern, beginnt der Dienst der ehrenamtlichen Seelsorger anschließend. Bei rund 50 Einsätzen im Jahr leisten die Mitglieder des Vereins sowohl den Überlebenden des Unglücks, den Angehörigen aber auch den Einsatzkräfte seelischen Beistand und helfen, das Erlebte zu verarbeiten.

 

Diese "außergewöhnliche ehrenamtliche Arbeit für die Allgemeinheit" würdigt auch Landrat und Schirmherr des Vereins Manfred Müller und dankte den engagierten Seelsorgerinnen und Seelsorgern für "ihre Bereitschaft, in Notfallsituationen eine Stütze für die Betroffenen zu sein".

 

Sich nicht vor weinenden und schweigenden Menschen zu fürchten, so lautet die Anforderung an die Notfallbegleiter. Seit drei Jahren haben auch Laien die Möglichkeit, als Notfallbegleiter ausgebildet zu werden. Wer sich stark genug fühlt, Menschen in Ausnahmesituationen beizustehen und eine theoretische wie auch praktische Ausbildung nicht scheut, kann sich an die Notfallbegleitung und Notfallseelsorge im Kreis Paderborn e.V. wenden.

 

Grund- und Aufbaukurse sowie kontinuierliche Fortbildungen und Themenabende befähigen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, um in Ausnahmesituation angemessen reagieren zu können.

 

Weitere Fragen beantwortet Pastor Heinrich Friesen unter 05295/1847.

Seelische Hilfe

Seelische Hilfe für plötzlich in Not Geratene spenden

Hermann Fromme ist einer von 18 Notfallseelsorgern im Kreis Paderborn. Weitere Mitarbeiter werden gesucht.


Ein Unfall mit tödlichem Ausgang auf der B 68 oder auf dem Kapellenberg. Für Polizei und Rettungsdienste fast schon Routineeinsätze, wobei der Notfallarzt oftmals nur noch den Tod von Unfallteilnehmern feststellen kann. Unfallbeteiligte, die vielleicht unverletzt den Crash überstanden haben, stehen unter schwerem Schock. Angehörigen der Verunglückten muss die Todesnachricht überbracht werden.

 

Doch wer richtet den Angehörigen die furchtbare Schreckensbotschaft aus und wer steht ihnen in ihrer vielleicht schwersten Stunde bei? Wer kümmert sich um einen Unglücksfahrer, der regungslos und apathisch in seinem Auto sitzt? Polizei und Rettungsdienstmitarbeiter spüren eine innere Hilflosigkeit.

 

In solchen Krisensituationen, wenn Sanitäter und Notärzte, Feuerwehrleute oder Polizeibeamte nicht mehr helfen können, werden sie gerufen: die Notfallseelsorger (NFS). Seit etwas mehr als einem Jahr ist immer einer von 18 ehrenamtlichen Helfern für einen Einsatz im Kreis Paderborn in Rufbereitschaft. Wenn Polizisten eine Todesnachricht überbringen, begleiten die NFS sie häufig auf ihrem schweren Weg. Einer von ihnen ist Hermann Fromme aus Eringerfeld, Am Hegenholz 8.
Der Studiendirektor a. D. ist vor mehreren Jahren über die Telefonseelsorge in Paderborn an diese verantwortungsvolle ehrenamtliche Aufgabe gekommen. Doch bevor er seinen ersten Einsatz absolvieren konnte, stand für ihn eine zweijährige Ausbildung an.



Fachliche Kompetenzen im sozialen Bereich
Um den Anforderungen, die an die NFS gestellt werden, gewachsen zu sein, brauchen sie Kompetenzen im fachlichen und sozialen Bereich sowie im Persönlichkeitsbereich. Es wird eine fundierte fach- und tätigkeitsbezogene Grundausbildung mit Themen zur Gesprächsführung, Stressbewältigung, zu Rettungsorganisationen und Einsätzen und anderen psychologischen und praktischen Fragen angeboten.

 

Begleitet wird diese Ausbildung von einem Einsatzpraktikum im Rettungsdienst und konkreten Übungen. Kontinuierliche Fortbildung und begleitende Supervision helfen, den verantwortungsvollen Anforderungen und belastenden Situationen gerecht zu werden und erhöhen die eigene Sicherheit beim Einsatz im Rahmen der NFS.

 

Inzwischen läuft das Projekt der Notfallseelsorge seit einigen Jahren mit vielen Einsätzen.

 

Meistens finden die Einsätze nach schweren Unfällen statt. Aber auch Suizid oder plötzlicher Kindstod sind einer der Schwerpunkte, um Trost zu spenden. Weiter leisten sie in Krisensituationen, bei Katastrophen, Gewaltverbrechen, oder wenn Menschen durch Feuer obdachlos geworden sind, den Bedrängten Beistand, versuchen Angst und innere Not abzubauen und seelisch zu entlasten. Sie halten Schwerstverletzten oder Sterbenden die Hand und beten gemeinsam mit ihnen, wenn sie es wünschen.

 

Neben dem beruhigenden und tröstenden Wort führt Hermann Fromme auch immer seinen Notfallkoffer mit kleinen Hilfsmitteln mit. Gerade, wenn Kinder betroffen sind, wirken ein Teddy, Schokolade oder Gummibärchen Wunder. Zum Kofferinhalt gehören aber auch ein Kreuz, eine Bibel, Kartenmaterial, Taschenlampe, Anschriftenliste und die für manche so „beruhigende" Zigarette.

 

Vorrangiges Ziel der NFS ist die "Erste Hilfe für die Seele" in Not, der kurzfristige Beistand und die Stabilisierung in Extremsituationen. Die Notfallseelsorge bietet menschliche Unterstützung in akuten psychischen Ausnahmesituationen an. Sie begleitet Menschen in Krisen, angesichts von Sterben und Tod, von Leid und Schuld. Sie arbeitet ergänzend zu den Rettungsdiensten, für die vornehmlich physische Funktionen im Vordergrund stehen und versucht, dem Geschädigten in seiner Krisensituation psychische Unterstützung zu leisten. Sie bemühen sich, Angst abzubauen, Trost zu spenden, zu begleiten da zu sein und zuzuhören. Ihr Ziel ist vorrangig kurzfristige Hilfe und Stabilisierung in Not- und Krisensituationen. Der Bedarf an Notfallseelsorgern nimmt zu, weil auch die Retter immer mehr diese Unterstützung anfordern.



Hilfe wird auch für die Retter angeboten
Auch die Retter selbst, ob Feuerwehrleute, Polizisten oder Sanitäter, können die seelische Hilfestellung der Notfallseelsorger nach gravierenden Einsätzen in Anspruch nehmen. Manche brauchen lange, um nach psychisch belastenden Einsätzen die schrecklichen Bilder zu verarbeiten oder zu vergessen.

 

Bei den immer häufiger werdenden Einsätzen sucht die Leitung der Notfallseelsorge des Kreises Paderborn neue und engagierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für diese anspruchsvolle und ehrenamtliche Tätigkeit. Sie sollen psychisch stabil und belastbar, geistig flexibel, kontaktbereit und lernfähig sein. Sie müssen Eigenverantwortlichkeit und Teamfähigkeit mitbringen und sollten möglichst in sozialen oder kirchlichen Gruppe eingebunden sein. Wichtig ist auch, dass sie sensibel sind für eigene und fremde Gefühle, und bereit, andere Menschen vorurteilsfrei anzunehmen.

 

Wer ebenfalls Interesse an einer Mitarbeit hat, kann sich unter Telefon 05295 998255 und 05257 977467 oder unter www.nfs-kpb.de melden. ■ to

 

Notfallseelsorger H. Fromme mit seinem Notfallkoffer, der ihn bei Einsätzen begleitet

Bericht in der GESEKER ZEITUNG vom 19.04.2003